Universität Potsdam
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Bereits seit 1997 sind die Universität Potsdam und die Firma Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH in Kontakt. Aus der anfänglichen Bereitstellung von Orgelpfeifen für akustische Experimente in den Vorlesungen entwickelte sich in gemeinsamen Gesprächen das beiderseitige Interesse an einer Forschungskooperation auf dem Gebiet der Klangforschung. Das Brandenburger Traditionsunternehmen setzt seit über 100 Jahren im Orgelbau international höchste klangliche, technische und gestalterische Maßstäbe.
Die Kooperation zwischen der Universität Potsdam und der Firma Schuke mündete in drei gemeinschaftliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Die Vorhaben wurden initiiert und unterstützt durch die Transferstelle der Universität Potsdam und danach jeweils in der Projektbearbeitungsphase durch die UP Transfer GmbH für Wissens- und Technologietransfer an der Universität Potsdam als Forschungspartner bearbeitet.
Von 1999 bis 2000 entwickelten Mitarbeiter der UP Transfer GmbH in enger Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Angewandte Physik kondensierter Materie unter der Leitung von Prof. Dr. Reimund Gerhard-Multhaupt im Auftrag von Schuke Orgelbau Messverfahren. So wird die originalgetreue Klanggebung von z. B. barocken Orgelpfeifen ermittelt. Für die Wiederherstellung von im Laufe der Zeit klanglich veränderten Renaissance- oder Barockorgeln konnte so eine wissenschaftliche Grundlage für den Nachbau von Orgelpfeifen gelegt werden. Die im physikalischen Institut ermittelten Messreihen historischer Orgelpfeifen wurden in eine spezielle Software überführt, die für die Maschine zum Drehen der Platten für die Orgelpfeifen entwickelt worden war. Diese Orgelzinndrehmaschine wurde im Anschluss dahingehend umgebaut und programmiert, dass die Profile der Pfeifen computergestützt exakt nach den Vorgaben gefertigt werden konnten.
Mit den gleichen Partnern wurde von 2001 bis 2003 der Einfluss der Wandstärke auf den Klang der Orgelpfeifen untersucht. Ein Verfahren, das im Orgelbau besonders an historischen Instrumenten traditionell Anwendung fand, nämlich die „Ausdünnung“ der Orgelpfeifenwand zur Mündung hin, sollte wissenschaftlich untermauert werden. Die Messungen der Universität zeigten, dass die Reduzierung der Wandstärke zu einem besonders leichten und hellen Klang verbunden mit einem sehr prägnanten Einsetzen des Tones führte. Es stellte sich heraus, dass diese Methode, die zur Wiederherstellung des ursprünglichen Klanges beitragen sollte, für eine Restaurierung und Rekonstruktion historischer Orgeln unbedingt notwendig war.
Von 2005 bis 2007 wurde im Auftrag von Schuke Orgelbau der Orgelwind und seine Regelung untersucht. Ausgehend von Untersuchungen am Institut für Statistische Physik und Chaostheorie der Universität Potsdam entwickelten Mitarbeiter der UP Transfer GmbH unter der Leitung von Dr. Markus Abel eine computergestützte Simulation, um die Strömung im Windsystem einer Orgel analysieren zu können. Gleichzeitig entstand ein Verfahren, um Vorhersagen über das Verhalten des Orgelwindes treffen zu können. Die Projektergebnisse flossen in die Herstellung einer Windlade zur Steuerung der Luftzufuhr ein, die jetzt von den Orgelbauern in der Praxis getestet wird.
Durch die physikalischen Untersuchungen von historischem Pfeifenwerk wurde die Firma Schuke Orgelbau in die Lage versetzt, Rekonstruktionen historischer Orgeln unter Anwendung ihrer anerkannten handwerklichen und künstlerischen Qualitätsarbeit durch technische Innovationen zu optimieren und so ihren Stand als eine der führenden Orgelbaufirmen in Deutschland zu verstärken. Für Dr. Detlef Zscherpel, zuständig für den Bereich Forschung und Innovation bei Schuke Orgelbau, ergeben sich daraus noch weitere Vorteile: „Wir werden als Firma wahrgenommen, die Forschung betreibt. Das hilft uns, wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Ausdruck der erfolgreichen Zusammenarbeit sind darüber hinaus zehn neue Arbeitsplätze bei der Firma seit dem Jahr 2000. Auch die Forschungspartner profitierten von der Kooperation mit der Wirtschaft. Dr. Steffen Bergweiler, Mitarbeiter am jüngsten Projekt, resümiert: „Wir können unsere Forscherkompetenzen für spannende Aufgabenfelder einsetzen.“